medica goes vorklinik

Oui, c´est une Marmeladenglas.

Dieser "Block" soll ja ein Erfahrungsbericht und auch ein kleines Stück Erinnerung sein.
Ich erinnere mich - nicht zuletzt wegen nur wenig vergangener Zeit -
an jede scheiss Einzelminute, die ich für diese Testate in Anatomie gepaukt habe
und meine Erfahrung sagt mir, dass es ein heiden Stück Arbeit war;
begleitet von Schmerz und Tränen und riesigen Selbstzweifeln.

Das Knochentestat kann man einem "Normalo" gar nicht nahe bringen.
Man stelle sich einfach nur vor,
man hat ein leeres, gereinigtes Glas Marmelade vor sich und soll dieses beschreiben.
Kurze Denkpause für alle:
Was würde Ihnen in so einem Moment einfallen?
Ist aus Glas? Hohl? Gewölbte Form? Hat ´nen Deckel?
Super, gar nicht mal schlecht!
Aber mein Marmeladenglas-Dozent würde hier erwarten,
dass jede einzelne Vertiefung, jeder Riss, die Deckelschraubung,
der geriffelte Boden und jeder Fitzel Deko anhand seines Aussehens,
seiner Lage und seiner nachbarschaftlichen Beziehung zu allen anderen Strukturen beschrieben,
genannt und mit Fachausdrücken gepflastert werden kann und auch muss -
und das für jedes Marmeladenglas das es gibt. Also Knochen. Also Sie wissen was ich meine.

Als nächsten Höhepunkt präsentieren wir den Schädel und seine Strukturen.
Der geneigte Leser mag jetzt denken:
Mmmmmhhhhh... nur der eine Schädel? Das ja nix!
Faaaaalsch!
Ich erkläre kurz das Prinzip eines Sprengschädels:
Man nehme eine Hand voll Erbsen, stopfe diese trocken unter die Schädeldecke,
feuchte sie an und warte nun, bis der Schädel an seinen verwachsenen Nähten
aufgrund des Ausbreitungsdrucks in 22 Teile zerfällt
(Ja, dass wurde bis vor Jahren tatsächlich noch so gemacht).
Die Strukturen, die nämlich dadurch dann auch noch entstehen und zu sehen sind,
zusätzlich zu den knapp 300, die eh schon an der Oberfläche differenzierbar sind,
(Wir reden hier von einem mundgeblasenen und handgeklöppelten Marmeladenglas!),
muss man dann nämlich auch noch auswerfen können!
Na, macht´s noch Spaß?

Aber das absolut Highlight, der Robbie Williams unter den Testaten
und der Thomas Gottschalk der Unterhaltungstestatbranche ist das Muskel- und Leitungsbahnentestat.
Wer nach einem richtig harten Tag im Büro mit anschließendem Geschäftsessen
und noch 2 Stunden Sport mit abschließendem Ehekrach ohne abendlichen Saunagang
schon mal richtig geilen Muskelkater und Muskelzuckungen unter dem Auge und in der linken Gehirnhälfte hatte,
kann sich zu ungefähr einem Zehntel ausmalen wie viele Muskeln und Nerven und Arterien und Venen
und geheime Lacunen, Trigoni (Ich muss dringend Thermi lernen!) und was-weiss-ich-noch-alles
in unserem Körper stecken!
Das ist mal hartes Brot!

Ich hab´ geheult, gezetert, geschrien und Leute verhauen,
aber irgendwie bin ich dadurch gekommen;
mit genau dem selben Satz wie jeder andere Student vor
und zu 99% wahrscheinlich auch jeder Student nach mir:

Du schaffst das schon!

Und wenn man das erstmal hinter sich hat,

...

und dann an die Klausur denkt

...

ach, lassen wir das ...

Ihr Marmeladenglas-Student

1 Kommentar 29.1.10 21:51, kommentieren