medica goes vorklinik

Saw 7: Der Student und das PRAKTIKUM

Mittlerweile konnte ich ja einige Erfahrungen in Sachen Praktika und Seminare sammeln.
Und ich sage euch:
Es ist kein Zuckerschlecken.

Vor jedem Anatomie-Seminar ist online ein Testat zu bestehen.
Da wir ja faule Studenten sind und die immer vor der Bearbeitung der Seminaraufgaben machen,
ist das Bestehen ein wenig anstrengend.
Man sitzt geschlagene 2 Stunden
mit Atlas, Taschenatlas, Lehrbuch und Vorlesungsfolien da,
um annähernd die erforderte Punktzahl zu erreichen
und nochmal eine Stunde,
um dem eigenen Ehrgeiz genüge zu tun die volle Punktzahl zu erklicken.

Hier ein kleiner Tipp:
Wartet bis euer Gruppen-Streber die Aufgaben erfüllt
und in seiner sozialen Güte die Lösung per Mail rumgeschickt hat.
Jedenfalls dann, wenn ihr es euch leisten könnt alles später nachzuarbeiten.

Ganz besonders nett ist dann der dozentische Hinweis:
"Neeeein! Das müssen sie nicht schon alles können!
Sie SOLLEN ja mit den Büchern arbeiten!
Sie lernen dabei soooo viel!"
Ja sichaaa!

Das Seminar darf man tatsächlich auch nur dann besuchen,
wenn man dieses Wochenend-Anatomie-Klicking-Highlight bestanden hat.
Und für das Seminar selbst sind Aufgaben zu erfüllen.
Wenn man Pech hat,
zieht der eigene Dozent dann auch noch die Seminaranleitung durch
und pickt sich jede Woche jemanden heraus,
der das Thema dann per Referat vortragen darf-
Ohne, dass er vorher sagt, wen es trifft.
Das kann für einige Kommilitonen ein laaaanges Wochenende bedeuten
(Wenn er eben nicht so faul wäre
und die seit Ewigkeiten bekannten Seminaraufgaben nicht erst am Wochenende davor bearbeiten würde^^).

Ein weiteres Highlight, weil weniger anstrengend,
ist das Biologie-Praktikum.
Das Skript wird super geheim
an einem geheimen Ort,
der erst Tage vorher bekannt gegeben wird
in einem äußerst kleinen Zeitfenster
gegen die Unterschrift und das Vorzeigen des Studentenausweises ausgegeben.
Wuhu, wie spannend!
Man sollte tatsächlich mal gelesen haben
was man am Nachmittag unter dem Mikroskop sehen KÖNNTE,
aber sonst ist dieser Teil sehr entspannend.
Und macht Spaß!

Bis auf...
Ja, bis auf das Praktikum beim CHEF!
Das erste richtige Grauen für jeden Studenten im Praktikum!
Man versucht verzweifelt herauszufinden
an welchem Tisch der kleinwüchsige, schlecht gelaunte Mann am Nachmittag sitzen KÖNNTE,
um ja nicht Gefahr zu laufen,
dass man ausgerechnet dort landet.
Und so leid es mir tut:
Das bringt gar nichts-Er sitzt jedes Mal woanders!

Wer mich kennt, der weiss:
Ich saß genau DA!

Tipp: Nen furchtbar interessierten, belesenen und vorbereiteten Gesichtsausdruck machen
und vorher mit dem Gruppen-Streber aus der anderen Gruppe geredet haben,
der das Praktikum schon 2 Tage vorher hatte,
um zu wissen was er wie fragt
und geheime Antworten zu erhalten,
bei denen der Chef fast anfängt zu weinen,
weil der Student so toll viel weiss!

Aber das ABSOLUTE GRAUEN,
die FOLTER des Jahrhunderts
und das SCHLACHTFEST der Medizinstudenten
findet dort statt, wo der Schmerz am größten ist!
Wo der Student nicht weglaufen kann!
Wo gerade mal 5% wissen, was sie da eigentlich tun müssen!
Wo die anderen 95% bereits die ganze Woche nur geduckt
und völlig tachykard durch die Gegend rennen,
weil sie 8 WOCHEN hintereinander dem ELEND ins Gesicht sehen müssen:

DAS CHEMIE-PRAKTIKUM!

Lauthals verschrien, von kaum einem Medi ohne Rauswurf jemals auf Anhieb bestanden
und schrecklich aufwendig,
weil die meisten so wenig Chemieerfahrung haben,
dass sie für einen einzigen Praktikumstag und dessen Versuche
allein ein halbes Jahr Vorbereitungszeit bräuchten!

Kurz zum Ablauf:
VOR jedem Praktikumstag sind 20 Seiten Skript so zu bearbeiten,
dass ein "theoretischer Hintergrund" dabei entsteht.
Der soll laut Skript nur 3 Seiten lang sein,
kommt in Wirklichkeit aber auf mind. 6 heraus.
Zum Schock für alle Abschreiber:
Per Hand!
Dann müssen noch Übungsaufgaben erfüllt werden,
die auch nochmal 3 (handschriftliche) Seiten erfordern
und glücklicherweise von einem guten Tutor vorgerechnet werden.
Wenn man dann endlich zum Praktikumstag kommt,
wird der schriftliche Teil erstmal kontrolliert und schon mal "testiert".
Ach Sie meinen, dass sei alles?
Neeeeeeein!
zum Testat-Teil gehört dann noch der schriftliche Teil vor jedem Tag,
durch den jede Woche zwei schwitzende und völlig verängstigte Studis müssen
UND der eine dreiviertel Stunde!!! dauernde mündliche Testat-Teil für alle anderen!
Wer im schriftlichen nicht die erforderte Punktzahl erreicht
oder im mündlichen nicht in der Lage ist eine 2 Tafeln große Rechnung zu tanzen,
wird dann einfach mal nach Hause geschickt.
Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht an der Klausur teilnehmen darf,
aber es bedeutet tatsächlich,
dass man den Schein nicht bekommt und den Termin im nächsten Jahr nachholen muss.
Und wer zweimal fliegt,
macht dann eben das ganze Praktikum im nächsten Jahr nach!

NACH dem jeweiligen Versuchstag müssen die Experimente dann auch noch nachgearbeitet werden
und die Ergebnisse schriftlich festgehalten werden.
Ja nu, nur weil man die Experimente macht,
heisst das nicht,
dass der Assistent zufrieden ist:
Eine Abweichung von mehr als 10% beim Ergebnis bedeutet nochmal machen.
Versuch also 2 mal ausarbeiten und bitte mit Fehlerbesprechung.
Wenn man diese Sachen alle erfüllt und auch nur dann,
bekommt man VIELLEICHT das "testiert" in die Unterlagen geschrieben.
Ausser man hat fürs Schutzbrille absetzen, rumlungern oder falsch rechnen
bereits 3 Eddingstriche auf dem Kittel:
Dann muss man erst nen Kuchen backen für den Assistenten,
um ihn zu beschwichtigen...

Merke: Chemiker hassen Mediziner,
nehmen sich selbst und ihre
IonenaustauscherPufferNatriuminWasserschmeiss-Experimente viel zu ernst
...und haben kleine ...! So!

Mein letzter Tipp für heute:
Ackern, ackern, ackern!
Man kommt nicht drumrum und es gibt keinen Ausweg.
Einfach durchstehen!
Und bloß nicht krank werden!
Keine Schweinegrippe rechtfertigt ein Fehlen!
Das wäre ein nicht bestandener Tag!

Was bleibt, ist die Freude auf ein spaßiges Physikpraktikum
mit Temperaturmessungen, Druckausgleichen und Diagrammen auf Millimeterpapier.
Einfach genießen.
Ein Testat besteht hier aus ner halben Seite lesen und die Hälfte der Punkte in den Übungsaufgaben.
Wie erholsam.

Was also bleibt nach so viel Text:
Vorbereiten, hingehen und durchhalten.
Und falls man die Klausuren nicht auf Anhieb besteht,
ist das halb so wild:
Die Durchfallquote ist (wie überraschend: gerade in Chemie)
ultra hoch (die Bestehensgrenze wurde in Chemie auf 50% runtergesetzt, damits wenigstens 30% der Studis schaffen)
und bei den Nachholterminen klappt es dank völlig überteuerter Crashkurse,
ohne die es wahrscheinlich noch weniger schaffen würden, bestimmt!

Und immer an den Schein denken-
den Schein, den Schein, den Schein!
Ohne den darfs Praktikum im nächsten Jahr
(Jaaaa, da muss man NOCHMAL durch!)gar nicht erst gemacht werden,
wenn es dann heisst:

Saw 8: Der Student und das Praktikums-Deja vue!

19.12.09 21:36

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